SV Aubing

Der Sportplatz als zweite Heimat


(entnommen aus dem Sonderdruck “75 Jahre Sportverein Aubing” im Jahr 2004)

Für jeden Sportverein ist der Sportplatz die Grundlage für seine Existenz. Deshalb war im Jahre 1929 die Platzfrage das Hauptproblem der Männer die bereit waren durch Opfer und Idealismus im damaligen Turnverein Aubing eine Fußballabteilung zu gründen.

Zwar hatten wir auf unseren umliegenden Fluren genügend Raum, doch war von Anfang an die Auswahl der in Frage kommenden Plätze begrenzt. Ein Fußballplatz soll ja letzten Endes nicht nur die räumlichen Voraussetzungen erfüllen, sondern vor allem durch eine günstige Lage für die Zuschauer leicht zugänglich sein. Derartige Landstücke gab es in Aubing nur wenige. So war es nicht verwunderlich, dass von den Gründern die Wiese hinter dem Sedlmayerhof ausgewählt wurde. Als dann im Jahre 1929 auf diesem, mit großen Grasnaben bedeckten Platz zum ersten Mal die Lederkugel rollte, war es für alle ein schwerer Anfang. Zwei Tore aus bloßem Holzgestänge bildeten die ersten Requisiten des Vereins, die den Platz überhaupt als Sportplatz kennzeichneten. Der Idealismus aller Aktiven jedoch ließ diese Unzulänglichkeiten vergessen und half die ersten Erfolge zu erzielen. Ein Teil der Aubinger Einwohner wird sich noch an die “gute alte Zeit” erinnern, wo es halt in vielem noch nicht so genau genommen werden konnte, da es ja der Anfang war.

Im Jahre 1930 änderte sich diese Situation grundlegend, denn die Gemeinde stellte in großzügiger Weise einen Platz zur Verfügung. Dieser lag an der Gotzmannstraße und lief mit ihr parallel. Hier sah es natürlich schon anders aus, wenn auch im Vergleich zu heute keine Maßstäbe anzulegen sind. Sieben Jahre lang trafen sich dort die Aubinger Fußballmänner, um die Grün-Weißen siegen zu sehen. Um diese Zeit bereits erfreute sich der SV Aubing einer zahlreichen Anhängerschaft. Im Laufe der Zeit wurde jedoch auch dieser Platz mit den Anforderungen des Spielbetriebs nicht mehr fertig. Es war wiederum die Gemeinde, die großzügig helfend einsprang. An der heutigen Bergsonstraße wurde mit einem Kostenaufwand von ca 25.000 Reichsmark ein Fußballplatz erstellt, der schon eher den Namen Sportplatz verdiente.

Die Freude über diesen schönen Sportplatz währte jedoch nur geraume Zeite. Im Jahre 1939 wurde durch die Pläne der damaligen Reichsbahn ein Strich durch die Zukunftsträume aller Fußballfreunde gemacht. Durch Erstehen des Bahnbetriebs-Werkes II ging dieses schöne und ausbaufähige Gelände verloren. Der Verein sah sich vor eine äußerst kritische Situation gestellt, denn der Verlust des Platzes war gleichbedeutend mit dem Ende des Spielbetriebs. Jetzt zeigte sich die zähe Beharrlichkeit der Vorstandschaft und aller Aktiven, die nicht bereit waren, sich durch dieses grausame Geschick, die Freude am Spielen nehmen zu lassen. Man war in den Reihen des Vereins fest entschlossen, selbst unter großen Opfern weiterzuspielen und durch vorübergehende Lösungen die Situation der Nachbarvereine ihre Spiele auszutragen. So wurde bis in das Jahr 1944 hinein der Sportbetrieb aufrecht erhalten. Der totale Krieg mit seinen Folgen unterband dann auch diese letzte Spielgelegenheit.

Nach dem krieg im Jahre 1945 schien es, als habe die totale Vernichtung auch nicht vor dem SV Aubing halt gemacht. Ein Großteil der “Aktiven Sportler” kam aus dem Krieg oder der Gefangenschaft nicht mehr zurück.
Als der Vorstand Ausschau nach seinen Mitgliedern hielt, sah er stark gelichtete Reihen und war sich daüber im Klaren, dass dem Wiederaufbau, ein steiniger Weg bevor steht.

In jahrelanger, zäher und oftmals aufopfernder Arbeit entstand auf dem angepachteten Ackerland, westlich der Gotzmannstraße eine neue Sportanlag. Was heute für jeden Sportler eine Selbstverständlichkeit ist – Wasch- und Umkleidekabinen – gab es auf diesem Sportplatz jahrelang nicht. Zunehmender Spielbetrieb und laufend Erfolg der 1. Mannschaft zwangen die Vereinsleitung zum Bau eines Clubhauses.

Trotz einfachster Ausstattung, zwei Umkleidekabinen für die Mannschaften, ein Duschraum, eine Umkleidekabine für die Schiedsrichter und einem WC, waren große finanzielle Schwierigkeiten und nur mit viel Gemeinschaftsarbeit zu bewältigen. Die damalige Vorstandschaft unter Leitung von Emil Krempl nahm auch diese Hürde und es sollte nicht die Letzte sein.

Schüler-, Jugend- und Senioren-Mannschaften, verdoppelten sich. Das Spielfeld wurde vollkommen überbeansprucht und seine Unbespielbarkeit war nur noch eine Frage der Zeit. Der letzte Ausweg war, das Brachland zwischen Sportplatz und Gotzmannstraße, zu einem Trainings- und Ausweichplatz auszubauen und zugleich eine Beleuchtung für das Nachttraining zu schaffen. Wie alles Vorangegangene, so wurde auch diese Aufgabe bewältigt. Stolz und zufrieden mit dem Erreichten blickte man in die Zukunft. Kein Mitglied des SV Aubing konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass die Sportanlage Gotzmannstraße wiederum nur eine vorübergehende Bleibe sein sollte.

Mit dem Bau der Volksschule an der Gotzmannstraße mussten die Grün-Weißen weichen. Verbittert und verzweifelt über den erneuten Verlust, war man im Aubinger Lager entschlossen, für eine neue und endgültige Heimat zu kämpfen. In monatelangen Verhandlungen mit der Stadt München, dem Berzirkausschuß, den Stadträten, dem Stadtamt für Leibesübungen usw., konnte der SV Aubing überzeugen, dass der Bau einer Bezirkssportanlage, wie sie in anderen Stadtteilen bereits gebaut wurden, unumgänglich ist.

Am 12. Oktober 1962 wurde die Bezirkssportanlage an der Kronwinklerstraße seiner Bestimmung übergeben. Für den SV Aubing war dies ein bedeutsamer Tag.
Alle Mitglieder, welche die Aufbau- und Wandertage ihres Vereins miterlebten, wussten dies besonders zu würdigen. Heute nach 42 Jahren nutzt allein der SV Aubing die Anlage mit 17 Fußballmannschaften, davon sind 14 Jugendmannschaften. Derzeit sind ca. 650 aktive und passive Mitglieder beim SV Aubing registriert.