„Behinderung ist keine Hinderung“
Integrationsmannschaft des SV Aubing gewinnt Sportinklusionspreis 2011
Die Landeshauptstadt München schrieb im Jahr 2011 bereits zum dritten Mal einen Wettbewerb zur Förderung von Sportprojekten für Menschen mit Behinderung aus. Dabei wurden vorbildliche Aktivitäten im sportlichen Bereich gewürdigt und sollten deren Durchführung unterstützen. Besonders innovative und neue Ideen wurden gesucht, aber auch lang Bewährtes war gefragt. Beim SV Aubing gibt es eine Integrationsmannschaft, die in der Sportstadt München einzigartig ist und von Monika und „Burle“ Ahrens im September 2009 ins Leben gerufen wurde. Seitdem ist ein langer, arbeitsreicher und mit viel Freude gesegneter Weg beschritten worden, für den die Mannschaft aus dem Münchner Westen nun mit dem Sportförderpreis für Inklusion ausgezeichnet wurde. Die Mannschaftsgründer nahmen am letzten Mittwoch die Auszeichnung aus den Händen von Münchens 2. Oberbürgermeisterin Christine Strobl entgegen.
Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung, bei der die Band „Die Balkanauten“ für die passenden musikalischen Töne sorgten und die gehörlose Hip-Hop-Tänzerinnen Kassandra Wedel und Cora Friebl eine beeindruckende Tanzeinlage zeigten, .wurden insgesamt sechs Preisträger in der Kategorie „Inklusion“ im alten Rathaussaal geehrt. Am Ende hatten die Aubinger tatsächlich die Nase vorn und nahmen den mit einem Preisgeld von 10000 Euro dotierten 1. Preis in Empfang.
Total überrascht wurden Monika und „Burle“ Ahrens mit der Überreichung dieser Auszeichnung. Der Beweggrund überhaupt an diesem Wettbewerb teilzunehmen war, dass man vielleicht tatsächlich in die Auswahl der Gewinner kommen und somit eventuell ein kleines Preisgeld zur Finanzierung von neuen Trainingsanzügen für die Kinder gewinnen könnte. Die Jury wertete das Engagement des Ehepaares aus Aubing, das ihrem leicht behinderten Sohn Stefan das Fußball spielen im Verein ermöglichen wollte und aus diesem Grund die Integrationsmannschaft gründete, als besonders innovativ und förderungswürdig. Zudem hat den Aubingern in die Karten gespielt, dass „Inklusion“ im Rahmen der Europäischen Union mehr als groß geschrieben wird. Natürlich half auch die Tatsache, dass bei den Grün-Weißen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden, da neben Behinderten auch gesunde und ausländische Kinder gemeinsam dem Ball nachjagen.
Allen voran die D1 des Vereins, deren ehemaliger Trainer Hans Klotz und dessen Nachfolger Ergün Boraze das Aubinger „Dreamteam“, wie die Integrationsmannschaft auch gerne genannt wird, immer wieder unterstützen. So werden mit Thomas Ellermann und Ali Boraze stets zwei Kinder für Turniere abgestellt, die helfend eingesetzt werden. Im Sommer findet ferner immer ein Spiel statt, bei dem die beiden Mannschaften gemischt gegeneinander antreten. Somit haben auch die Aubinger D1-Junioren ihren Anteil am Gewinn des Sportförderpreises.
Der gebührt in jedem Fall allen Spielern, die in der Integrationsmannschaft am Ball sind und den SV Aubing zwischenzeitlich bei mehr als 10 Turnieren vorbildlich vertreten haben. Dabei geht es gar nicht um den sportlichen Erfolg, sondern um das Miteinander. Wer die „Ahrenstruppe“ am Anfang ihres Daseins spielen sah, kann mittlerweile allerdings einen gewaltigen Fortschritt im spielerischen Bereich erkennen. Zwischendurch wird kombiniert, dass es eine wahre Freude ist zuzuschauen. Freude ist zweifelsohne der Begriff, der am Besten zur Integrationsmannschaft passt.
Es gibt nämlich kaum eine Mannschaft, die dem Leder mit so einer Begeisterung nachjagt und dabei keine persönlichen Egoismen in den Vordergrund stellt. Die Gemeinschaft steht absolut im Vordergrund. Es wird nicht darauf geachtet, wer wo spielt und wann ein Tor geschossen wird. Auch Schuldzuweisungen gibt es nicht. Wenn der Ball drin ist, ist er eben drin und es geht munter weiter. Dadurch erklärt sich auch der Erfolg, den die Truppe einheimst. So werden die Niederlagen immer weniger. Doch der eigentliche Erfolg ist das Herz und der Charme des Integrationsteams. Das ist in jedem Training und Spiel deutlich zu beobachten. In jedem Fall ist diese Mannschaft ein Vorbild dafür, was zu erreichen ist, wenn man etwas gemeinsam zum Wohle der Kinder anpackt.
So ist der SV Aubing nach diesem Preisgewinn in aller Munde. Dieses Mal aber im positiven Sinne. Nicht wie sonst, wenn wieder einmal jemand vorprescht und das leidige Thema „Kunstrasen“ zu dem seinen macht. Hier haben sich schon sehr viele engagiert, ohne dabei jedoch wirklich erfolgreich gewesen zu sein. Hauptursache dafür war sicherlich die Tatsache, dass es alle gut gemeint, aber alleine gemacht haben. Somit ist und bleibt der Wunsch nach einem entsprechenden Spielfeld wohl noch länger bestehen. Immerhin ist man in der aktuellen Prioritätenliste der Landeshauptstadt München auf Platz 6 geführt. Somit könnte es 2016 vielleicht etwas werden.
In einem Gespräch, das die Verantwortlichen der Integrationsmannschaft mit Stadtrat Mario Schmidbauer nach der Preisverleihung führten, signalisierte der Politiker, dass er einen Antrag bei der Landeshauptstadt München stellen wird, auf der Bezirkssportanlage an der Kronwinkler Straße zumindest ein Kunstrasenkleinspielfeld neben dem Hartplatz zu bauen. In wie weit diesem Antrag natürlich statt gegeben wird, steht momentan noch in den Sternen. Für die Fußballabteilung des SV Aubing wäre dies jedoch schon eine gewaltige Hilfe im aktuellen Trainingsbetrieb.
Wie das Preisgeld aus der Auszeichnung verwendet wird, ist noch ungeklärt. Schließlich wurden alle Beteiligten von dem Gewinn überrascht. Als Verwendungszweck konnte man in der Ausschreibung der Stadt lesen „Gute und bereits etablierte Beispiele zur Integration und Inklusion sollen öffentlich gemacht werden und zu weiteren Initiativen ermutigen.“ Dahingehend gibt es noch viel zu tun für Monika und „Burle“ Ahrens, weil ihnen eine Liga mit 10 Mannschaften vorschwebt, in der die Gewinner des Sportförderpreises einmal spielen sollen. Die Nachfrage wäre in jedem Fall da. Nur an ehrenamtlichen Trainer, die ein Gespür für die Kinder haben, Trainingsplatz und Vereinen, die dem Beispiel aus Aubing folgen mögen, fehlt es noch. Hoffentlich nicht mehr lange. So eine Mannschaft ist nämlich für alle Beteiligten ein unbeschreiblicher Gewinn, den man allerdings niemals materiell aufwiegen kann.