Entscheidungen
(von Rupert Jund )
Zum letzten Spiel der Vorrunde und auf Hinblick der bevorstehenden Feiertage mit all dem hektischen Treiben, ihren glühweingeschwängerten Weihnachtsfeiern, Christkindlmärkten und Santa Claus-Events wollte ich mal was anderes als den üblichen Spielbericht schreiben.
Es hat sich doch einiges ereignet in den vergangenen Monaten rund um unsere Truppe. Da sollte es doch ein leichtes sein, rückblickend ein paar passende Worte zu finden.
War es aber nicht. Irgendwie fiel mir einfach zu viel ein, zu viel schwirrt einem durch den Kopf, zu schwer, es zu ordnen. Und irgendwie mag ich halt dieses verlogene Weihnachten mit dem ganzen Spektakel gar nicht. Schon als Kind hatte ich immer den Eindruck, dass sich Eltern an Weihnachten mit mehr oder weniger sinnvollen Geschenken bei ihren Kindern dafür entschuldigen, was sie ihnen das Jahr über angetan haben. Egal. Der Wahnsinn hat eben Tradition.
Ausgerechnet ein gemütlicher Fernsehabend auf der Couch mit Korbinian, dem besten Sohn und Fußballer in unserer Familie, brachte mich wieder in die Spur. Harry Potter war angesagt. Wieder einmal. Aber halt einfach gut. Und eines der weisesten Film-Zitate überhaupt aus dem Munde Professor Dumbledore`s beeindruckt mich immer wieder zutiefst aufs Neue.
„Viel mehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.“
Entscheidungen! Ja, Entscheidungen wurden um und in der Mannschaft viele getroffen. Gott sei Dank. Entscheidungen sind richtungsweisend, oft für das ganze Leben. Und nicht immer oder zwangsweise richtig. Falsch getroffene Entscheidungen kann man revidieren, wenn man die sich dabei ergebenden Erfahrungs- und Lerneffekte nutzt. Und wenn man will. Aber wer nicht für sich selbst entscheidet, für den entscheiden oft die anderen.
Ich bin froh, dass unsere Trainer von Anbeginn sich bedingungslos immer für das Wohl und die Interessen unserer Kinder entschieden und eingesetzt haben, und nicht für den kurzfristigen sportlichen Erfolg.
Auch wenn es oft nicht ganz einfach war. Besonders bei Ergün konnte ich bei den vielen Gesprächen mit ihm in den letzten Wochen verfolgen, wie er um viele Entscheidungen, die er über die Kinder treffen musste, lange und ausgiebig voller Zweifel und Unsicherheit mit sich rang.
Und er traf die Entscheidungen. Alleine und mit Konsequenz. Und stets nach langen Abwägen mit Plan, Alternativen und Perspektiven für die Kinder. Wie bei Hans Klotz gelernt, der sich entschieden hatte, sein Traineramt aus privaten Gründen abzugeben. Euch beiden gebührt unsere höchste Anerkennung und unser aller Dank.
Wie auch dem Leon, der sich als Neuzugang ganz untypisch für seine Generation und unseren Verein sofort dafür entschied, als Co-Trainer eine Aufgabe und damit Verantwortung für unsere Jungs zu übernehmen. Danke, und Respekt, Leon. Vielleicht und hoffentlich macht dein Beispiel in unseren Reihen doch noch Schule.
Unser Mohamed hat sich entschieden, das Gespräch mit seinem Trainer zu suchen und bei uns zu bleiben. Eine gute Entscheidung. Die beste von allen möglichen. Für alle. Ein Zeichen von Vertrauen zu seinen Trainern und seiner Mannschaft. Freut mich sehr.
Eine unglückliche Entscheidung traf Ali im Spiel gegen Neuhadern. Durch seinen kleinen Fehler fiel der Ausgleichstreffer zum 1:1. Torwartschicksal halt. Na und ? Seine Mannschaft entschied sich geschlossen ohne ein einziges Wort des Vorwurfes das Spiel fortzusetzen und die Scharte postwendend auszuwetzen. Mit Anstand und Format. Jeder Einzelne. Danke Jungs, für euren Respekt und Sportsgeist untereinander. Ihr seid alles klasse Jungs. Und gute und faire Fußballer.
Darauf könnt Ihr stolz sein. Wir sind es sowieso. Immer. Und wir stehen hinter euch. Ganz egal, wie die Spiele ausgehen. Und ob Weihnachten vor der Tür steht oder nicht.
Es hat sich viel geändert in den vergangenen Monaten. Man ist wieder näher zusammengerückt. Einige haben bestimmte Herausforderungen angenommen und Aufgaben übernommen. Man hilft sich selbst und anderen. Hoffentlich bleibt es nicht nur so, sondern wächst weiter. Es herrscht ein gewisses Vertrauen untereinander. Die Jungs spüren das. Es gibt nichts wertvolleres, als das Vertrauen eines Kindes zu besitzen. Es ist aber auch die einschneidenste Entscheidung mit der größten Verantwortung, die man übernehmen kann. Und die Allerschönste.
In diesem Sinne eine besinnliche Adventszeit und gesegnete Weihnachtsfeiertage! Wir sehn` uns bei der Weihnachtsfeier und zwei bis drei Hallenturnieren.
„In den ersten Jahren lieben Kinder ihre Eltern über alles; wenn sie älter werden, beurteilen sie
Sie; und manchmal verzeihen sie ihnen auch.” – Oscar Wilde – (aus „Criminal Minds“)
Zum Einsatz kamen:
Ali Boraze, Korbi Jund, Husein Avino, Dani Bichl, Sebi Walus, Onur Dönmez, Andi Baumann,
Muhammed Tosun, Emanuel Boateng, Jonas Ifland, Toni Nast, Thomas Ellerman und Lukas
Dornstauder